Herbst in der Eifel
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Naturjuwel mit spannender Geschichte

Die Heidelandschaft der Eifel

Ein Naturjuwel mit spannender Geschichte

Die Heidelandschaften in der Eifel sind über Tausende von Jahren durch natürliche und menschliche Einflüsse entstanden. Durch zunehmend landwirtschaftliche Nutzung wurde in vielen Landstrichen der Wald zurückgedrängt: die waldfreie und mit Zwergsträuchern bewachsene Heidelandschaft konnte sich entwickeln. 

Einst ein Symbol der Armut, sind die Wacholderheiden der Eifel heute ein Naturschatz von unvergleichlichem Charme und wunderbare Wandergebiete. Im Spätsommer und Herbst verwandelt sich die Heidelandschaft in eine saftig grüne Umgebung mit violetten Teppichen: Ein Mosaik aus Farben und Düften, geprägt von der robusten Schönheit des Heidekrauts, den aromatischen Wacholdersträuchern und den vereinzelten Kiefern, die sich gegen den Wind stemmen. Diese Landschaft, einst ein Zeichen des harten Kampfes gegen karge Böden, ist heute ein wertvolles Naturerbe. Geduldige Naturbeobachter können hier auf Haselhuhn, Heidelerche oder Wiesenpieper, sowie auf Orchideen, Waldhyazinthen und andere Raritäten treffen.

Bis zum frühen 19. Jahrhundert prägte die Schiffelwirtschaft die Landschaft der Eifel maßgeblich. Dabei werden Rasenstücke abgeschält, getrocknet und verbrannt. So werden Samen- und Wurzelunkräuter vernichtet und die gewonnene Asche wird als Mineraldünger verwendet um kurzzeitig den Ertrag der Felder zu erhöhen. Diese Form des Brandfeldbaus spielte eine entscheidende Rolle für die Region und war ein europaweites Phänomen, das aus der Notwendigkeit entstand, die wachsende Bevölkerung zu ernähren. 

Darüberhinaus besaßen die Bauern der Eifel nur kleine Höfe. Kühe oder Pferde waren ein seltener Luxus. Landwirtschaft bedeutete meist, robuste Schafe und Ziegen zu halten, die über die kargen, ungedüngten Weiden und in die Wälder getrieben wurden. Fast nichts war vor den hungrigen Mäulern sicher - außer den stacheligen und bitter schmeckenden Wacholdersträuchern, die verschont blieben und zu schlanken Bäumen heranwuchsen. So entstanden zwischen den Eifeldörfern weite Gebiete, die mit ihren zypressenartigen Schönheiten an mediterrane Landschaften erinnern. 


Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele dieser Heideflächen jedoch wieder überwuchert oder durch landwirtschaftliche Nutzung verändert. Einige wenige dieser Gebiete sind durch konsequenten Naturschutz erhalten geblieben und bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. 

Besondere Schutzgebiete, wie der Dr. Heinrich Menke Park im Landschaftsschutzgebiet "Rhein-Ahr-Eifel", spielen dabei eine wichtige Rolle. Hier bewahren Ehrenamtliche der Wacholderwacht Osteifel diesen einzigartigen Lebensraum für viele spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Aufkommende Gehölze werden entfernt, Schafe zur Beweidung eingesetzt und bei geführten Wanderungen die Besonderheiten dieser einmaligen Landschaft vermittelt.  

Auch flüssiges Gold wird in diesen Landstrichen gewonnen, denn aus dem Eifeler Wacholder werden gerne Brände destilliert. Er findet auch Verwendung in Kräutermischungen und die Wacholderbeeren sind essentiell für den einzigartigen, waldig-harzigen Geschmack, der traditionelle Gin-Sorten auszeichnet. Mit ihrem süßlich-würzigen und leicht harzig-bitteren Aroma verleihen sie dem Gin seinen charakteristischen Geschmack und machen sie zu einer unverzichtbaren Hauptkomponente.