Geschichte ist spannend, sie fasziniert uns vor allem, wenn wir sie selbst erleben können
Auf den Spuren der Römer
Die Eifel bietet noch heute zahlreiche römische Funde und lädt zu spannenden Entdeckungsreisen ein. Wie lebten die Menschen vor 2.000 Jahren? Münzen, Keramikscherben, Gefäße, Reste antiker Villen, Tempel oder Thermen, Mauern, Wege und Aquädukte - diese Funde erzählen viel über die Besiedlung der Eifel.
TEXT: PETRA GREBE
54 v. Chr.: Julius Cäsars Truppen überschreiten die Grenzen Germaniens. Was folgt, ist nicht nur militärische Expansion, sondern eine kulturelle Durchdringung, die bis heute sichtbar bleibt. Die Eifel wurde Teil der Provinz Gallia Belgica – ein Ort, an dem neue Wege entstanden. Wörtlich. Denn die Römer bauten Straßen: Gerade, schnurgerade. Von Trier nach Köln, von Aachen nach Bonn. Noch immer folgen Wander- und Radwege den Spuren dieser antiken Lebensadern.
Doch die Römer waren mehr als Strategen. Sie waren auch Mystiker. Sie verehrten Jupiter, Merkur und die geheimnisvollen Matronae – Muttergottheiten, deren Tempel wie auf dem Görresberg bei Nettersheim noch heute die Fantasie beflügeln.
Geschichte zum Anfassen
Das römische Erbe der Eifel lässt sich bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Zahlreiche Wander- und Radwege führen an römischen Stätten vorbei. Hier wird Geschichte greifbar und Kultur und Architektur hautnah erlebbar.
Römerkanal-Wanderweg: Wasser als Weltanschauung!
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Wer dem Wasser folgt, der folgt auch der Geschichte. Die römische Wasserleitung von Nettersheim nach Köln – rund 100 Kilometer lang – ist ein Wunderwerk antiker Ingenieurskunst. Noch immer beeindrucken Aquäduktreste, Sammelbecken, Tunnel und Leitungsschächte, die entlang des „Römerkanal-Wanderwegs“ auftauchen wie Erinnerungen aus Stein. Besonders eindrucksvoll sind sie auf der 17 Kilometer langen Etappe EifelSpur "Wasser für Köln", auf der sich einige der bedeutendsten Bodendenkmäler Deutschlands befinden – darunter die Aquäduktbrücke bei Vussem und die freigelegte Leitung bei Eiserfey.
Die Römer leiteten nicht nur Wasser. Sie leiteten eine Idee von Komfort, Lebensqualität – und Nachhaltigkeit. Denn ihre Bauten funktionierten über Jahrhunderte hinweg.
Auf den Hügeln der Göttinnen
Es ist still auf dem Hügel über dem Urfttal bei Nettersheim. Nur der Wind rauscht durch die Bäume, und die Steine erzählen Geschichten. Hier ist nicht nur die Aussicht besonders, hier befindet sich auch eine der bedeutendsten Kultstätten der Region: die "Görresburg" ein gallorömischer Tempelbezirk, in dem die Matronae Aufaniae verehrt wurden. Ihre Weihesteine – originalgetreu nachgebildet – säumen heute noch den Ort der Verehrung.
Ganz in der Nähe liegen die Reste von Marcomagus, einer römischen Siedlung (vicus), die einst Händlerinnen, Handwerker und Familien beherbergte. Pflastersteine, Grundmauern, Grabungsstätten – hier lässt sich das Leben vor 2.000 Jahren beinahe berühren.
Wer die sechste Etappe des Eifelsteigs vom Kloster Steinfeld bis nach Blankenheim wandert, kann bequem einen Abstecher zur römischen Siedlung und der Görresburg unternehmen.
Römerthermen Zülpich – Von Dampf, Debatten und Dekadenz
Wo heute das Museum „Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur“ steht, dampften einst die Thermen von Tolbiacum. Es wurde nicht nur gebadet – hier wurde verhandelt, gestritten, intrigiert, gelacht. Die Ausstellung spannt einen eindrucksvollen Bogen von der Antike bis ins Wellness-Zeitalter und zeigt, wie sehr sich Körperkultur und Gesellschaftssinn durchdringen.
Ausgehend von der besterhaltenen römischen Thermenanlage ihrer Art nördlich der Alpen, beleuchtet die Ausstellung die Kultur des Badens in unterhaltsamer Weise.
In einem extra Raum, ist eine wechselnde Sonderausstellung zu sehen. Noch bis zum 1. März 2026 heißt es „Luxuria. Römische Thermen zwischen Alltag und Luxus“. Am 19. September starten wieder die Kinoabende – es werden regelmäßig Klassiker der Filmgeschichte gezeigt. Am 13. und 15. November steht eine besondere Theateraufführung auf dem Programm: „Hoc est vivere! Ein Nachmittag im römischen Bad“. Vorträge und Führungen runden das abwechslungsreiche Programm im Museum ab.
Ein lohnenswerter Abstecher: Der 8 km lange Rundweg „EifelSpur Ritter, Römer, Rüben“ führt direkt an der Anlage vorbei – und beantwortet die Frage, wie sich Gemüseanbau und Geschichtserlebnis verbinden lassen.
Archäologischer Parcours in Bitburg
Reges Treiben gab es in Bitburg schon zu römischer Zeit. Als Straßensiedlung Beda an einer wichtigen Verkehrsroute gelegen, fand man hier Geschäfte, Gastronomie, Herbergen, Tempel und ein Theater. Nachdem die Germanen den Ort verwüstet hatten, wurde ein wehrhaftes Kastell mit Mauern, Türmen und Toren gebaut, und seine umfangreichen Mauerreste prägen noch heute das Stadtbild. Der Archäologische Parcours führt durch die Innenstadt von Bitburg.
Villa Otrang – Landlust im römischen Stil
Ein beeindruckender Ort, der die römische Vergangenheit der Region lebendig macht, ist die Villa Otrang bei Bitburg. Diese gut erhaltene römische Villa war einst das Zentrum einer landwirtschaftlichen Großwirtschaft und gibt uns einen Einblick in das Leben der römischen Elite in der Provinz. Bei einem Besuch wird es schnell deutlich: Diese Villen waren weit mehr als nur bequeme Landhäuser – sie waren die Symbole römischer Macht und Herrschaft.
Villa Holsthum – hier wurde gehandelt
Die Römer richteten ihre Wohngebäude meist geschickt zur Sonne hin aus – auch in Holsthum. Die säulengeschmückte Front mit großem Portal lag vom späten Vormittag bis zum Abend im Licht. Wer die symmetrisch konstruierte Villa rustica betrat, kam in eine zentrale Halle, wo gearbeitet und gewirtschaftet wurde. Hier gab es auch eine kleine Eisenschmiede, in der zeitweise Münzen geprägt wurden. Falschgeld? Eher nicht. Vermutlich handelte es sich um die offiziell geduldete Produktion von knappem Kleingeld aus der Zeit um 275 n. Chr. Von der Halle aus führte eine Treppe in den Keller, die noch heute – nach fast 2.000 Jahren – begehbar ist. An die Halle schlossen sich Wohn- und Arbeitsräume an, darüber gab es noch ein zweites Geschoss. Auf der Rückseite des Hauses wurden Lebensmittel geräuchert und gedörrt. In einem der beiden seitlichen Anbauten befand sich das Bad.
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Mit der ARGO-App kann die Geschichte der Region interaktiv erforscht werden. Die App ermöglicht es, (digital) über alte Straßen zu flanieren oder sich in alten Tempelanlagen umzuschauen. Dazu zählen auch die Villa Otrang und die römische Villa Holsthum.
Duppach Weiermühle - Reichtum, Macht und Untergang
Unweit der Römerstraße Trier-Köln erhebt sich ein weiteres Denkmal vergangener Pracht: die römische Villa bei Duppach. Ein Ensemble aus Wohnhaus, Stallungen, Kräutergarten – und einer Eisenschmelze. Besonders eindrucksvoll: Zwei Grabpfeiler, jeder über 20 Meter hoch, die einst reiche Gutsherren ehrten. Heute erinnern sie daran, wie vergänglich selbst die größten Reichtümer sein können. Denn mit dem Aufkommen germanischer Überfälle verlor auch diese Villa ihren Glanz – geplündert, verlassen, in Teilen wiederbesiedelt von einfacheren Menschen.
Römerstraße - Auf dem Weg durch die Jahrtausende
Agrippastraße und Via Belgica – römische Fernstraßen, die einst Legionen, Händlerinnen, Pilger, Reisende verbanden. Heute durchzieht der „Erlebnisraum Römerstraße“ die Eifel als Kultur- und Wanderlandschaft. Links und rechts des Weges: Monumente, Museen, rekonstruiertes Leben. Wer mit wachem Blick wandert, dem erzählt jeder Stein, jeder Wall, jede Säule vom Aufbruch in eine neue Welt – einer Welt, die nicht vergessen ist. „Erlebnisraum Römerstraße“

Zu römischer Geschichte
Überall in der Eifel finden sich Überreste der römischen Geschichte der Eifel. Seit 54 vor Christus dehnte sich das Römische Reich auf die Eifel aus. Die Römer bauten Straßen, Herbergen, Thermen, Siedlungen und Marktplätze. Wer die Bauwerke der Römer nicht nur besuchen, sondern erwandern möchte, findet bei unsere Tourentipps genau das Richtige.