Tief verwurzelt - Entdeckungen unter der Erde
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Geheimnisvolle Welten unter der Erde

Wer die Eifel nur von ihren Vulkankegeln, Maaren und wilden Bachtälern kennt, hat eine ihrer geheimnisvollsten Seiten noch nicht entdeckt: das unterirdische Reich der Höhlen.

© Nordeifel Tourismus GmbH, Ralph Sondermann

Die Höhlen der Eifel – Spuren der Zeit und Naturkunstwerke

Die Region birgt nicht nur natürliche Grotten, sondern auch menschengeschaffene Hohlräume, die in vergangenen Jahrhunderten unter oft entbehrungsreichen Bedingungen entstanden. Manche sind wild und urwüchsig, andere erzählen von menschlicher Anpassung, Handwerk und sogar spirituellen Rückzugsorten. Wer sich auf diese verborgenen Orte einlässt, entdeckt weit mehr als dunkle Löcher im Felsen – es eröffnen sich Resonanzräume zwischen Natur und Kultur. Jede erzählt ihre eigene Geschichte. 

Die Höhlen sind in der Regel öffentlich zugänglich, einige von ihnen werden allerdings aus Naturschutzgründen in der Winterzeit gesperrt, um die Fledermäuse nicht zu stören. Denn die suchen hier ihr Winterquartier und hängen kopfüber an den Decken und in den Spalten der Höhlen für ihre Winterruhe. In der übrigen Zeit heißt es dann: Pullover über und Lampe an! Festes Schuhwerk ist ebenfalls zu empfehlen. 

Kakushöhle – Ein Ort zwischen Kult und Karst
Mechernich

Im Norden der Eifel, bei Mechernich, öffnet sich im Kalkstein der Kakushöhle ein weitläufiges Gewölbe, das seit der Jungsteinzeit von Menschen als Unterschlupf genutzt wurde. Ihren Namen soll die Höhle einer Sage rund um den Riesen Kakus verdanken, der einst die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Die Höhle beeindruckt mit ihrer akustischen Tiefe und Atmosphäre und ist ein Kraftort im besten Sinne – mystisch, geschichtsträchtig und zugleich eingebettet in eine eindrucksvolle Karstlandschaft. Entstanden ist diese Landschaft durch die Verwitterung von Kalkstein, wodurch die faszinierenden Gesteinsgebilde und Höhlen entstanden.

Das Gelände des Karststeinfelsen ist mit einem weitläufigen Wegenetz durchzogen. Ein kleiner beschilderter Rundweg führt rund um die Kakushöhle herum. Wer mehr wandern möchte, kann sich auf die EifelSchleife “Kakushöhle” begeben oder die EifelSpur “Wasser für Köln” entdecken.


Genovevahöhle – Legende trifft auf Landschaft
Kordel

Ebenfalls natürlichen Ursprungs ist die Genovevahöhle in einem steilen Felsmassiv im Kylltal, in der Nähe von Trier. Hier kommt wieder eine Sage ins Spiel, wenn es um den Ursprung des Namens geht: Der Legende nach soll sich hier die Pfalzgräfin Genoveva mit ihrem Kind versteckt haben, nachdem sie zu Unrecht verstoßen wurde. Wer auf dem Premiumwanderweg Eifelsteig unterwegs ist, findet die mystische Höhle mitten im Wald. Auswaschungen, Winderosion und Frostsprengungen trotzten vor Jahrmillionen dem Buntsandstein diese muschelförmige Höhle aus dem gewaltigen Felsen.


Buchenlochhöhle – Aus Stein gewaschen
Gerolstein

Stromatoporen, seit langem ausgestorbene, koloniebildende schwammartige Meerestiere schufen das heutige Riff der Gerolsteiner Dolomiten. In deren Mitte klafft ein schmales, hohes Loch: die Buchenlochhöhle. Die Höhle wurde vor Millionen Jahren durch die lösende Kraft des Grundwassers aus dem Stein gewaschen. Sie ist dreißig Meter lang und vier Meter breit - ihren Namen erhielt sie wegen der vorherrschenden Baumart im Wald ringsum. Zu erreichen ist sie über eine kleine, schmale Holztreppe. Die Eifeler Ureinwohner der Jungsteinzeit mussten allerdings auf anderen Wegen die Höhle erreichen. Werkzeugfunde und Knochen rund um die Höhle belegen, dass vor 30.000 Jahren Menschen die Buchenlochhöhle als Unterkunft nutzten.

Wer noch mehr von der Umgebung erkunden möchte, kann auf der neuntägigen Wanderreise „Eifelsteig mit allen Sinnen entdecken“ neben der Buchenlochhöhle auch die Genovevahöhle erkunden.


Eis- und Mühlsteinhöhlen – Zeugnisse beschwerlicher Arbeiten
Gerolstein | Hohenfels-Essingen | Birresborn

Der Basalt der Vulkaneifel eignete sich über Jahrhunderte zur Herstellung von Mühlsteinen, die in Papier- und Lohmühlen, aber auch in Getreide- und Ölmühlen zum Einsatz kamen. Die Mühlsteine wurden außerdem zum Zermahlen von Eichenrinde eingesetzt, die anschließend in der Lederbearbeitung als Gerbstoff diente. Durch den schweißtreibenden Abbau der Mühlsteine entstanden die heutigen Höhlen, in denen sich in besonders kalten Wintern noch heute Eiszapfen von erstaunlicher Größe bilden. In der Eifel gibt es noch einige Zeugnisse dieser harten Arbeit, zum Beispiel in Hohenfels-Essingen oder am Rother Kopf. 

Da in den Höhlen das ganze Jahr über konstant eine Temperatur von etwa sieben Grad Celsius herrscht, dienten sie vor der Erfindung des Kühlschranks den Menschen als Eis- und Vorratslager. Zu den bekanntesten dieser Eishöhlen zählen die Birresborner Eishöhlen. Schon am Eingang strömt den “Höhlenforschern” ein kalter Lufthauch entgegen - gut, wer einen Pullover dabei hat.


Trasshöhlen – Wenn die Vulkane Feuer spucken
Burgbrohl

Rund 13.000 Jahre ist es her, als sich der Himmel im Brohltal verdunkelte und der Laacher-See-Vulkan ausbrach. Ein glühend heißes Gemisch aus Lavapartikeln und Gasen schoss in Intervallen bis in die Atmosphäre. Jedes Mal, wenn die Eruptivsäule zusammenbrach, raste das Material wie auf einem Luftkissen durch die umliegenden Täler – Asche und Lavapartikel füllten die Täler bis zu 60 Meter hoch auf. Die einst lockeren Materialien der Glutlawine sind im Laufe der Zeit zu einem Gestein verbacken, das man „Trass“ nennt. Schon die Römer bauten im Brohltal Trass ab und verwendeten ihn unter anderem zum Hausbau. Feingemahlen ergibt es unter Zugabe von Kalk und Wasser einen Mörtel, der auch unter Wasser aushärtet. 


Lavakeller -  Höhlen wie Kathedralen
Mendig

Es geht viele Stufen hinab unter die Stadt Mendig. Unten angekommen, öffnet sich den Besuchern eine faszinierende Welt: fast schon wie Kathedralen muten die riesigen Hallen an, die sich hier unten aneinanderreihen. Die Lavakeller sind menschengemacht. Als die Vulkane in der Eifel ausbrachen, floss auch ein Lavastrom in Richtung Mendig. Die dadurch entstandene Basaltlava wurde von den Mendigern später abgebaut und war ein wichtiger Broterwerb – denn die Basaltlava war ein kostbares Baumaterial. Mächtige Säulen, die beim jahrhundertelangen Basalt- und Lavaabbau stehengelassen wurden, stützen die gigantischen Lavakeller. 

Auch im heißesten Sommer ist es hier unten kalt und es riecht nach einem Hauch Feuchtigkeit. Dies machten sich die Brauereien der Stadt Mendig zunutze, als es noch keine anderen Kühlmöglichkeiten gab. Sie lagerten in den Hallen ihr frisch gebrautes Bier.

Ausflugstipp für NeugierigeDie Vulkanbrauerei ist die letzte verbliebene Brauerei in Mendig. Bis zu 28 Brauereien gab es im 19. Jahrhundert noch im Ort. Alle nutzten die Lavakeller als „Kühlschrank“ für ihr frisch gebrautes Bier. Auch unter der Vulkanbrauerei befinden sich die Höhlen, die durch den Basaltabbau entstanden. Besucher können während einer Führung nicht nur die moderne Brauerei kennenlernen, sondern sich auch in die Tiefen des brauereieigenen Lavakellers wagen. Erfahre mehr über die wohl spannendste Brauerei Europas.


Höhlen entdecken auf Schritt und Tritt

Wer die geheimnisvollen Höhlen der Eifel nicht nur besuchen, sondern erwandern möchte, findet bei unseren Tourentipps genau das Richtige: Wege durch stille Wälder, entlang schroffer Felsen und hin zu verborgenen Hohlräumen voller Geschichte, Gestein und Atmosphäre.